Dass große Teile des Werks von Jean-Patrick Manchette in deutscher Sprache verfügbar sind, verdanken wir dem kleinen Heilbronner Distel Literatur Verlag. Neben 10 Romanen aus der Feder Manchette’s und einem Band mit Essays finden wir in der bemerkenswerten Reihe “Série Noire”, die auf einer entsprechenden Serie des Verlags Gallimard basiert, viele Autoren, die dem – sozialkritischen – französischen néo-polar zuzurechnen sind. Manchette gilt als Begründer und Leitfigur dieser Richtung des roman noir. Viele seiner Romane wurden mit hochkarätigen Schauspielern wie z.B. Alain Delon oder Cathérine Deneuve verfilmt.
“Der Mann mit der roten Kugel” (Originaltitel “L’homme au boulet rouge”) wurde erst kürzlich als deutsche Erstveröffentlichung auf den Markt gebracht. Es handelt sich dabei um die Romanadaption eines Drehbuchs des Amerikaners Barth Jules Sussman. Die Geschichte, ohne zu viel zu verraten, ist rasch umrissen:
Ein junger Schwarzer namens Greene arbeitet als Leihsklave einer Strafvollzugsanstalt auf einer Baumwollplantage und sinnt nach Möglichkeiten, so bald wie möglich auszubrechen. Ein erster Fluchtversuch, bei dem er den Oberaufseher zum Krüppel schießt, gelingt zunächst. Doch bald wird er wieder verhaftet und auf die Plantage zurückgebracht, wo er seine Arbeit nun mit einer roten Fesselkugel am Bein verrichten muss und brutalen Gewalttaten des Oberaufsehers ausgesetzt ist. Doch Greene gibt den Gedanken an die Wiedererlangung seiner Freiheit nicht auf …
Vielleicht war es ein Fehler, dass meine Bekanntschaft mit dem hochgelobten Manchette mit “Der Mann mit der roten Kugel” begonnen hat. Auf eine eine knappe, schnörkellose, distanzierte Sprache war ich ja eingestellt. Doch konnte ich während der ganzen Lektüre des Buches den Eindruck nicht loswerden, dass hier jemand lieblos und auf die Schnelle eine verabredete (lästige?) Arbeit erledigt und seinen Text heruntergeschrieben hat.
Und dann gibt es in dem Buch Formulierungen, bei denen ich mich frage, ob das wirklich “Originalton Manchette” ist oder ob wir es mit einem Übersetzungsproblem zu tun haben: Wenn es zum Beispiel heißt: “Auf der anderen Tischseite strahlen die Münder” oder – besonders “gelungen” – “In diesem Augenblick kommt ein kupferner Spucknapf durch die Verbindungstür herein”. Immer nur hereinspaziert ! Abgesehen von diesen und ein paar anderen sprachlichen Fehlgriffen hätte ich mir auch ein wenig mehr Sorgfalt beim Korrekturlesen gewünscht: da wird aus Greene schon mal Green, aus Potts Pott.
Eins ist trotz dieser kritischen Anmerkungen aber sicher: ich werde mich weiterhin mit Jean-Patrick Manchette beschäftigen und bin ungeachtet dieses nicht so überzeugenden Starts gespannt auf seine Romane. Und auf die Arbeiten vieler anderer Autoren, die es in der Série Noire des Distel Verlags noch zu entdecken gibt.
Jean-Patrick Manchette / Barth Jules Sussmann:
Der Mann mit der roten Kugel
Distel Literatur Verlag/ Série Noire
2011, 197 Seiten, 12,80 EUR
Informationen über Jean-Patrick Manchette auf Wikipedia


